Autobiografische Niederschrift

Rückblick auf das Jahr 1966
Musisch-pädagogisches Realgymnasium in Hermagor
Als im Jahr 1966 nach langen Verhandlungen der Weg frei war, in Hermagor ein Oberstufenrealgymnasium zu installieren, das Schwerpunkte auf musische Erziehung setzte und deshalb die Bezeichnung „Musisch-pädagogisches Realgymnasium“ erhielt, suchte man Lehrpersonen, die in den Fächern Physik, Biologie, Bildnerische Erziehung, Leibeserziehung, Musikerziehung, Knaben- und Mädchenhandarbeit, Klavier- und Violinspiel unterrichten konnten.
Da für diese Fächer zu wenige Gymnasiallehrer zur Verfügung standen, trat man an die Lehrpersonen der beiden Hauptschulen heran, ob sie bereit wären, an der neuen Schule nebenberuflich zu unterrichten. Sofort waren dafür qualifizierte Lehrpersonen bereit, den Unterricht am Musisch-pädagogischen Realgymnasium zu übernehmen, damit mit der ersten Klasse begonnen werden konnte.
Soweit ich mich erinnere, waren das Frau Dr. Stephanie Zobernig (Biologie und Physik), Herr Wilfried Buchacher (Bildnerische Erziehung), Frau Ingeborg Zobel (Leibeserziehung für Mädchen), Frau Edith Traer (Musikerziehung), Herr Alois Stermitz (Werkunterricht für Knaben), Frau Elfriede Ferstner (Mädchenhandarbeit), Frau Helene Pilz (Klavier- und Violinspiel).
In meinem Lehrfach meldeten sich Schüler und Schülerinnen, die zum Großteil Anfänger der Instrumentalmusik waren. Sie zeigten aber Interesse und Freude am Unterricht.
Besonders erwähnen möchte ich, dass Schüler aus dem Lesachtal große Begabung im Erlernen des Violinspieles zeigten. Aus dem anfänglichen „Gewinsel“ auf der Geige wurden zusehends schönere Töne. Leider waren im zweiten Schuljahr Abgänge einiger Schüler gerade beim Lehrfach Violine zu verzeichnen, da diese Schüler in andere Schulen wechselten.
Der Klavierunterricht wurde von einer größeren Schüleranzahl wahrgenommen. Da in einer Unterrichtsstunde vier bis fünf Schüler zu unterrichten waren, mussten die Wartenden mit Stillarbeit beschäftigt werden. Sie hatten Tonleitern zu schreiben, Intervalle zu bestimmen, kleine Transponierübungen zu leisten und dergleichen. Dies war nicht ganz nach ihren Vorstellungen, doch es kamen ihnen diese Zusatzübungen im Musikunterricht zugute.
Es gab auch hochbegabte Schüler, die in meinem Fach zeigten, was sie konnten. So fielen mir bereits Gerd Kühr und Bernhard Wolfsgruber auf, die ihre musische Begabung in der weiteren Laufbahn ihres Lebens voll zur Geltung brachten.
Von Anfängern im Klavierspiel ist mir besonders Franz Mörtl im Gedächtnis geblieben, der selbst kein Klavier zum Üben besaß und dies auf einem Harmonium tun musste, wie seine Mutter mir bei einem Elternsprechtag mitteilte. Wie sehr gerade solche begabte Menschen im späteren Berufsleben ihre Liebe zur Musik zum Ausdruck bringen, freut uns ehemalige Lehrer ganz besonders. Ob sie als Chorleiter, Sänger, Musiker und Komponisten in Erscheinung treten, überall bereichern sie mit ihrem Einsatz die Allgemeinheit.
Wir, als Lehrer der ersten Stunde, haben einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass in Hermagor diese Schule eröffnet werden konnte und haben damit für die gesamte Bevölkerung des Tales etwas Positives geleistet.
Nach vier Jahren wurde das Musisch-pädagogische Realgymnasium in ein Bundesoberstufen-Realgymnasium umgewandelt, kurz BORG genannt.
Es freut mich, dass auch an diesem Schultyp die Freude an den musischen Fächern erhalten blieb, was sich in zahlreichen öffentlichen Chorabenden und verschiedenen Aufführungen zeigt.
Hermagor im April 2016
SR Dir. Helene Pilz