

Helene Gertraud Pilz geb. Kandolf
Lehrerin, Autorin und Chronistin ihrer Heimatstadt Hermagor
Helene Gertraud Pilz wurde am 4. Dezember 1929 als Helene Kandolf in Hermagor geboren. Ihre Heimatstadt und die Menschen, Geschichten und Veränderungen dieser Stadt blieben zeitlebens Mittelpunkt ihres Interesses.
Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule in Hermagor absolvierte sie von 1945 bis 1950 die Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt in Klagenfurt. Anschließend arbeitete sie an verschiedenen Schulen zunächst als Volksschul- und später als Hauptschullehrerin. 1986 trat sie in den Ruhestand.
Helene Kandolf heiratete den aus dem Südburgenland stammenden Sonderschullehrer Eduard Pilz. Gemeinsam mit ihrer Tochter lebten sie in Hermagor; das südburgenländische Hügelland wurde zu einem zweiten Lebensmittelpunkt der Familie. Musik, Literatur, Gartenarbeit und Reisen begleiteten Helene Pilz durch ihr Leben.
Nach ihrer Pensionierung widmete sie sich zunehmend dem Schreiben und der regionalgeschichtlichen Dokumentation. Sie sammelte persönliche Erinnerungen, Fotografien, mündliche Überlieferungen und historische Unterlagen. Aus dieser Arbeit entstanden mehrere Bücher und Schriften über Hermagor, seine Bewohnerinnen und Bewohner, den Mühlbach, die Stocksteinerwand und die Geschichte ihrer Familie.
2009 erschien ihr Buch „Erzähltes und Erlebtes aus der Wulfeniastadt Hermagor“. Es folgten „Die zerbrochene Puppe und allerlei Nostalgisches“, die umfangreiche Dokumentation „Ein vergessenes Kriegerdenkmal erzählt“, die Schrift „Unser Mühlbach in Hermagor von 1900 bis 2014“ sowie „Die Stocksteinerwand im Wandel der Zeiten“. 2017 vollendete sie außerdem eine private Familiensaga.
Ein besonderes Anliegen war ihr die Bewahrung von Geschichten, die in keiner offiziellen Chronik standen: Erinnerungen an Häuser und Familien, an Arbeit und Alltag, an lokale Ereignisse und an eine Stadt, die sich im Laufe ihres Lebens stark veränderte.
Für ihre Dokumentation über das Hermagorer Kriegerdenkmal arbeitete sie den schriftlichen Nachlass ihres Vaters Johann Kandolf auf. Seine Protokolle, Briefe, Rechnungen und Aufzeichnungen ermöglichten ihr, ein beinahe vergessenes Kapitel der Hermagorer Geschichte wieder sichtbar zu machen.
Mit ihrer Schrift über den Hermagorer Mühlbach bewahrte Helene Pilz zugleich die Erinnerung an einen über Jahrhunderte wichtigen Lebens- und Wirtschaftsraum. Sie beschrieb die Menschen, Häuser, Handwerksbetriebe und Veränderungen entlang des Baches und setzte sich auch persönlich für dessen Erhaltung ein.
Helene Pilz starb am 7. September 2018 in Villach. Ihre Bücher, Schriften, Fotografien und historischen Sammlungen bilden ein wertvolles persönliches Archiv der Stadt Hermagor. Ihr Werk verbindet Familiengeschichte, Zeitgeschichte und Heimatkunde mit genauer Beobachtung und persönlicher Erinnerung.
Diese Seite möchte ihr Leben und Wirken neu ordnen, ihre Schriften zugänglich machen und ihre Arbeit für kommende Generationen bewahren.







Ausführlicher autobiografischer Lebenslauf
Lebenslauf der Helene Pilz
geb. Kandolf, 4. Dezember 1929
1. Kindheit
Ich wurde im Ritscher-Haus Nr. 75 am Gasser Platz geboren. Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater Angestellter der Gebietskrankenkasse. Sein Büro befand sich im Gebäude hinter dem Riederhaus, das im Besitz der Familie Rieder war.
Zwei Jahre lang besuchte ich vormittags den Privatkindergarten von Frau Wagner, an den ich sehr schöne Erinnerungen habe.
Mein Vater war von 1924 bis 1934 Leiter der Zweigstelle der Gebietskrankenkasse. Von 1934 bis 1938 war er arbeitslos.
Von 1936 bis 1940 besuchte ich die Volksschule in Hermagor, anschließend die Hauptschule. Wir waren eine reine Mädchenklasse. Es war Kriegszeit. Wir sammelten Altpapier, Heilkräuter, Hadern und Metall. Trotz des Krieges gab es auch einen Schikurs auf der Plöcken. 1944 schloss ich die Hauptschule ab.
2. Jugendzeit
Nach der Hauptschule wurde ich in die Lehrerbildungsanstalt, die LBA, in Klagenfurt aufgenommen und wohnte im Egger-Heim, an das ich sehr gute Erinnerungen habe.
Es war Krieg, und Klagenfurt wurde von Luftangriffen heimgesucht. Im März entkam ich bei einem solchen Angriff nur um Haaresbreite dem Tod. Ziel des Angriffs war das Gebäude der Frauenberufsschule in der Völkermarkter Straße, das von Brand- und Splitterbomben getroffen wurde. Gemeinsam mit meiner Schulfreundin Irene von Pichl befand ich mich damals in der Nähe des Egger-Heims in der Kaufmanngasse.
Da das Gebäude der LBA in der Bahnhofstraße durch Bomben beschädigt worden war, fand der Unterricht im Schoderböckheim in St. Martin statt.
Im März nahmen wir an einem Schikurs auf der Hochrindl teil. Während eines Luftangriffs konnten wir von dort die Bombeneinschläge in Klagenfurt hören.
Anfang Mai wurden wir nach Hause entlassen. Der Krieg ging zu Ende. Am 3. Mai 1945 erwartete mich mein Vater am Villacher Hauptbahnhof in der Hoffnung, dass ich dort ankommen würde.
Am 8. Mai 1945 marschierten die Engländer ein. Es gab keine Übergriffe, die Zivilbevölkerung wurde nicht bedrängt, und auch die Hausdurchsuchungen verliefen freundlich. In unserem Haus waren die Soldaten sogar besonders freundlich. Sie waren Musiker und hatten das Klavier im Zimmer entdeckt. Einer der Soldaten spielte darauf, ein anderer sang dazu.
Mein Vater schenkte ihnen Zigaretten. Am nächsten Tag kamen die Engländer noch einmal und brachten uns Schokolade und süße Krapfen. Im Haus waren damals meine Mutter, Rosi – die Frau meines Cousins Leo – mit ihrer kleinen Tochter Brigitte und ich.
Die Elitetruppe musste weiterziehen, andere Truppen folgten. Unser Land blieb zehn Jahre lang von den Engländern besetzt.
Die LBA war zunächst geschlossen. Bis Jänner 1946 fand kein Unterricht statt. Danach begannen wir wieder mit der ersten Klasse. Da wir während des Krieges keinen Englischunterricht gehabt hatten, musste ich Slowenisch als Freigegenstand nehmen, weil ich dieses Fach im Jahr zuvor gewählt hatte.
Nach fünf Jahren schloss ich die LBA am 8. Juli 1950 mit gutem Erfolg ab.
3. Berufsjahre und Familie
Meine erste Anstellung erhielt ich in Mitschig. Bereits nach drei Wochen kam ich an die Volksschule Hermagor. Dort unterrichtete ich eine 6. Klasse mit drei Abteilungen, dem 6., 7. und 8. Schuljahr. Die Schule befand sich damals im Schützenhaus. Ich hatte liebe Schüler und Schülerinnen.
1952 kam ein neuer Lehrer nach Hermagor: Eduard Pilz, ein Burgenländer, wurde der Volksschule Hermagor zugewiesen. Bei einer Aufführung von „Der Geizige“ kamen wir näher miteinander ins Gespräch.
Von seiner Seite entwickelte sich rasch große Zuneigung. Nach drei Monaten machte er mir einen Heiratsantrag, den ich annahm. Wir verlobten uns.
Beruflich folgten mehrere Veränderungen. Eduard wurde zunächst abgebaut, später wieder eingestellt und arbeitete einige Monate im Rosental, in St. Jakob, bevor er nach Kötschach-Mauthen versetzt wurde.
Im Dezember 1953 wurde ich nach St. Daniel versetzt. Dort war ich bis 1955 Volksschullehrerin einer ersten Klasse mit drei Abteilungen.
Am 7. August 1955 heirateten wir in Hermagor. Danach wurde ich nach Waidegg versetzt, zwei Monate später an die Mädchen-Hauptschule in Hermagor.
Am 4. Juli 1956 wurde unsere Tochter Lygia Maria geboren. Im September wurde ich an die Knaben-Hauptschule in Hermagor versetzt.
Für etwa drei Monate gab es noch ein Zwischenspiel an der Volksschule Vorderberg. Danach unterrichtete ich wieder an der Mädchen-Hauptschule Hermagor und blieb dort bis zu meiner Pensionierung im Jahr 1986.
4. Freundschaften – Jugend, Kindheit und Nachbarn
Zu den Nachbarn, Freunden und Bekannten meiner Kindheit und Jugend gehörten zahlreiche Hermagorer Familien.
Da waren die Familie Fleiß mit den Kindern Roswitha, Maria – genannt Mariedl – und Otmar; die Familie Schmalfuß mit Alfred, genannt Fredi; die Familie Winkler mit Gerald sowie die Familie Plattner mit Leonhard, genannt Hardi, Franz – Franzi – und Johann, genannt Hansi, im Langeggerhaus.
Ebenfalls im Langeggerhaus lebten Margaritha Eder, genannt Greti, und Herta.
Zur Nachbarschaft gehörten außerdem die Familie Edlinger mit Maximilian, genannt Maxi, sowie die Familie Essl mit den Töchtern Wilfriede – Friedi –, Anni und Gerti. In der Kindheit bestand nur wenig Kontakt zur Familie Essl, da sie in Grünburg wohnte. Der Vater war Betriebsleiter bei der Firma Haßlacher. Später entstand das Kino „Essl“.
Die Familie Moro hatte die Söhne Johannes und Dominik, die beide im Zweiten Weltkrieg fielen, sowie die Tochter Irmine, genannt Irmi.
Weitere Freunde und Bekannte waren Christian Traar – Christl oder Bubi –, Elisabeth Platzer, genannt Liesl, und ihr Bruder Erich, Maria Wiedenig, genannt Ria, Wilfried Domainko, genannt Willi, und Annemarie, genannt Jamdl.
Dazu kamen Hans, Gretl, Hilde und Käthe Jenull aus dem Jenullhaus, an dessen Stelle sich heute das neu aufgebaute Haus Puntigam befindet; Elfriede, Inge und Malwine Martinz; Hans, Lisbeth und Helga Filippitsch; Hilde, Gerda und Helga Kraker; Oskar, Hedwig, Ingrid und Herma Feldkirchner sowie noch eine weitere Schwester; Edith und Maria – Ria – Ritscher und Andreas, genannt Andi, sowie Erika Gratzer, eine Cousine der Ritscher-Kinder.
5. Hausumbau
1956 wurde im ersten Stock eine Wohnung für uns errichtet. Außen befand sich das Haus zunächst noch im Rohbau.
1959 wurde das Erdgeschoss angehoben und umgebaut, außerdem eine Elektroheizung eingebaut.
Im Erdgeschoss lebten meine Eltern. Sie hatten große Freude an ihrer Enkeltochter Lygia, geboren 1956. Wir wohnten damals im Haus Nr. 59, der heutigen Schützenparkgasse 3.
Meine Eltern sorgten liebevoll für das Kind, sodass ich beruhigt meinem Beruf nachgehen konnte.
Mein Vater, Opa Kandolf, ging 1965 in Pension. Im März 1972 starb er. Nur fünf Monate später starb auch Oma Kandolf. Damit waren wir allein im Haus – aus fünf Menschen waren drei geworden.
Unsere Tochter Lygia besuchte die Volks- und Hauptschule in Hermagor und anschließend das BORG Hermagor, wo sie 1974 maturierte. Es folgten ein Amerikaaufenthalt und Studien an verschiedenen Hochschulen in Graz, Innsbruck und Linz. In Innsbruck erwarb sie den Magistertitel, 1984 folgte das Doktorat in Linz.
Ihre erste Ehe schloss sie mit Wolfgang Gaschnitz. 1987 kam es zur Trennung. Nach Wien und Klosterneuburg übersiedelte sie ins Burgenland.
Dort lernte sie Ing. Peter Simetzberger kennen, einen Witwer mit drei Kindern. Er wurde ihr Lebensgefährte. Am 2. Dezember 1990 wurde ihr Sohn Eduard geboren. 1991 heirateten sie. Am 25. September 1993 kam der zweite Sohn, Peter Michael, zur Welt.
Besitz
Meine Eltern Kandolf übergaben das Haus samt Wald, Weiderechtsanteilen und Nachbarschaftsanteil 1958 oder 1959 an ihre Tochter Helene Gertraud und ihren Schwiegersohn Eduard.
Am Haus wurde viel renoviert.
Im Burgenland wurde mit viel Eigenleistung ein kleines Haus errichtet. Es handelte sich um ein Fertigteilhaus aus der Tschechoslowakei, das 1976 fertiggestellt wurde. Der Grund wurde von Nachbarn gekauft. Mein Schwager Franz Pilz war dort Nachbar.
Es gab viele Schwierigkeiten.
Seit 2010 ist meine Nichte Elisabeth Alleinbesitzerin der Liegenschaft mit Wohnhaus. Meine Schwester Gabriele wurde ausbezahlt.
7.000 Quadratmeter Grund sind zu bearbeiten, rund 50 Obstbäume zu pflegen – Arbeit!!
