
Gebet der Trauernden
A. Schenke mir, Herr, Menschen,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden,
der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.
Hoffnung geben mir die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben,
etwas Falsches zu sagen.
Dankbar bin ich für alle,
die mir erlauben
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen
nicht totschweigen.
Ich suche Menschen, denen ich mitteilen kann,
was mich bewegt.
Erleichterung bringen mir alle,
die mir zuhören,
auch wenn das,
was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.
Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin.
Wegbereiter sind alle,
die mich trösten
und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.
Helene Pilz

Gedicht
Helene Pilz
Wo bist du, schöner Morgen?
In Nebel eingehüllt zeigst du dein Gesicht.
Wo bist du Sonne,
Die mir neue Kraft schenkt?
Die Schatten der Nacht weichen. Warum bin ich allem ausgeliefert,
allein in meiner Verlassenheit?
Wo seid ihr alle,
Die mich trösten wollten?
Wo finde ich einen Anker für meine Seele?
Eine große Traurigkeit ist in mir.
Wann wird meine Seele in dir ruhen?
16. Jänner 2012, Magellanstraße, Chile